CLUSTER 3 · DIE ENTSCHEIDUNG

Geerbtes Mehrfamilienhaus verkaufen —
was bei Renditeobjekten zählt.

Ein geerbtes Mehrfamilienhaus ist nicht einfach ein größeres Einfamilienhaus — es ist ein Renditeobjekt, das von Kapitalanlegern nach ganz anderen Kriterien bewertet wird als selbstgenutzte Immobilien. Mieterstruktur, Bestandsmieten, Sanierungsstand und Mietpotenzial bestimmen den Preis weit mehr als Lage und Bauzustand allein. Wir zeigen, was beim Verkauf eines geerbten Mehrfamilienhauses tatsächlich preisbestimmend ist, wer als Käufer in Frage kommt und welche Fallstricke regelmäßig den erzielbaren Preis drücken.

Mehrfamilienhaus als Erbobjekt — die Besonderheiten

Beim Mehrfamilienhaus prallen zwei Welten aufeinander: die emotionale Bindung der Erben an ein Haus, in dem ihre Eltern oder Großeltern oft jahrzehntelang Eigentümer waren — und die nüchterne Kalkulation der potenziellen Käufer, für die jede Mietpartei ein eigenständiges Wirtschaftsobjekt mit Cashflow, Risiken und Sanierungsbedarf ist. Dieser Perspektivwechsel ist die zentrale Aufgabe beim Verkauf.

Für Erben heißt das konkret: Der Verkaufspreis ergibt sich nicht aus dem, was die Eltern „in das Haus gesteckt haben“, und auch nicht aus dem, was eine vergleichbare Immobilie für Selbstnutzer kosten würde. Er ergibt sich aus der Frage, welche Rendite ein professioneller Käufer mit dem Objekt erwirtschaften kann — und welche Risiken (Sanierungsstau, Mieterprobleme, Leerstand) er einkalkulieren muss.

Wer kommt als Käufer in Frage

DREI KÄUFER­PROFILE

1

Private Kapital­anleger

Vermögende Privatpersonen, oft aus dem Rhein-Main-Gebiet, die mit drei bis sechs Mietparteien einen überschaubaren Cashflow suchen. Kaufen meist über Bank-Finanzierung mit 40–60 % Eigenkapital. Bevorzugen kleinere MFH (3–6 Wohneinheiten) in soliden Lagen.

2

Profession­elle Bestand­shalter

Wohnungsunternehmen, Family Offices, mittelständische Investoren mit eigenem Bestand. Kalkulieren scharf nach Rendite und Sanierungsplan. Kaufen ab ca. 6 Wohneinheiten aufwärts. Preisbewusst, aber zahlungskräftig und schnell.

3

Bauträger und Aufteiler

Spezialisierte Unternehmen, die das MFH in einzelne Eigentumswohnungen aufteilen und einzeln verkaufen. Zahlen oft höhere Preise als Bestandshalter — sind aber an Aufteilung gebunden und müssen Mietverhältnisse aufkündigen oder mit Mietern verhandeln.

Welche dieser Gruppen für Ihr geerbtes Mehrfamilienhaus am besten passt, entscheidet sich an Größe, Lage und Zustand. Ein gepflegtes 4-Familien-Haus in Wiesbaden-Sonnenberg landet eher bei privaten Anlegern als bei Aufteilern. Ein 12-Familien-Haus mit Sanierungsstau in Frankfurt-Bockenheim ist klassisches Aufteiler- oder Bestandshalter-Objekt. Der gezielte Zuschnitt der Vermarktung auf die richtige Zielgruppe macht regelmäßig 10–15 % Preisunterschied aus.

Wie Mehrfamilienhäuser bewertet werden

Bei MFH dominiert in der Praxis das Ertragswertverfahren — der erzielbare Mietertrag wird kapitalisiert, um den Verkehrswert zu ermitteln. Vereinfacht: Jährliche Nettokaltmieten × Faktor (Multiplikator), abzüglich Bewirtschaftungskosten. Der Faktor hängt von Lage, Zustand, Mietsteigerungspotenzial und Marktbedingungen ab — in begehrten Rhein-Main-Lagen aktuell zwischen 22 und 30, in einfachen Lagen zwischen 15 und 22.

Faktor 20 ist nicht Faktor 25 — der Hebel im Detail

Was bedeutet das praktisch? Ein MFH mit 80.000 € Jahresnettokaltmiete bringt bei Faktor 20 einen Wert von 1,6 Mio. €, bei Faktor 25 jedoch 2,0 Mio. € — eine Differenz von 400.000 €. Genau hier setzt die fundierte Bewertung an: Was rechtfertigt einen höheren Faktor (Lage, Sanierungsstand, geringe Mieterfluktuation), was drückt ihn (Sanierungsstau, Bestandsmieten weit unter Marktmiete, Leerstand)? Eine professionelle Wertermittlung verhandelt um den Faktor — nicht um Pauschalpreise.

Mietsteigerungspotenzial — die zentrale Stellschraube

Bei vielen geerbten MFH liegen die Bestandsmieten deutlich unter der ortsüblichen Vergleichsmiete — die Eltern haben über Jahre nicht erhöht, mit langjährigen Mietern bestand ein Vertrauensverhältnis, das Mietniveau hat sich vom Markt entkoppelt. Für Käufer ist das ein doppelter Hebel: Sie können nach Übernahme die Miete schrittweise an den Mietspiegel heranführen (in Hessen mit Mietpreisbremse 11 % alle drei Jahre, mit Ausnahmen) — der Cashflow steigt. Dieses Potenzial fließt direkt in den Kaufpreis.

Sachwertverfahren als Ergänzung

Bei besonderen Objekten — denkmalgeschützten Häusern, MFH mit gewerblicher Nutzungsmischung, sehr großen Einzelobjekten — kommt zusätzlich das Sachwertverfahren zum Einsatz. Bodenwert plus Gebäudesachwert mit Alterswertminderung. In der Praxis ist es bei „normalen“ Rhein-Main-MFH die seltenere Bewertungsmethode, aber als Plausibilitätskontrolle hilfreich.

Was den Verkaufspreis konkret drückt — und was ihn hebt

Sanierungsstau

Dach, Fassade, Heizung, Fenster — wenn das Gebäude in den letzten zwei Jahrzehnten kaum etwas gesehen hat, kalkulieren Käufer scharf. Eine professionelle Aufstellung des Sanierungsbedarfs vor dem Verkauf verhindert, dass Käufer sich Risiken überschätzen und pauschal 20 % abziehen. Lieber realistisch dokumentieren, was ansteht, als Vermutungen Raum geben.

Mieterstruktur und Risiken

Langjährige zuverlässige Mieter mit moderaten Mieten — Plus-Faktor. Mieter mit Mietrückständen, gerichtlichen Verfahren oder problematischer Sozialstruktur — klares Minus. Käufer wollen eine vollständige Mieterliste mit Mietbeginn, Bestandsmiete, Vertragsart (alt/neu), eventuellen Konflikten. Mit fehlerhafter oder unvollständiger Aufstellung verlieren Sie Vertrauen — und damit Preis.

Vermietete vs. teilweise leerstehend

Vollständig vermietete MFH werden generell höher bewertet als Häuser mit Leerstand — sofortiger Cashflow für den Käufer, kein Vermarktungsaufwand. Allerdings kann ein einzelnes leerstehendes Apartment auch ein Vorteil sein: Es bietet dem Käufer Flexibilität (Eigennutzung, Modernisierung und höhere Marktmiete, Aufteilungsoption). Diese Nuancen gehören in die strategische Vermarktung.

Vollständige und konsistente Unterlagen

Bei MFH ist die Datenqualität entscheidend: Mietverträge, Mietspiegelauszüge, Hausgeldnachweise (falls Verwaltung extern), Versicherungsunterlagen, Sanierungshistorie der letzten zehn Jahre, alle Versorgungsverträge. Eine professionelle Verkaufsdokumentation reduziert die Käufer-Unsicherheit erheblich — und damit den Preisabschlag, mit dem Käufer Risiken einpreisen. Wir beschaffen diese Unterlagen koordiniert aus den verschiedenen Quellen.

Wenn ein Mieter selbst kaufen will

Bei MFH-Verkäufen kommt regelmäßig vor: Ein langjähriger Mieter interessiert sich — manchmal mehrere zusammen — für den Erwerb. Diese Konstellation hat Vor- und Nachteile.

Vorteile: Die Mietverhältnisse sind dem Käufer aus erster Hand bekannt — keine Risiken durch Mieter-Konflikte. Bei Aufteilung in Wohnungseigentum haben Mieter zudem ein gesetzliches Vorkaufsrecht nach § 577 BGB. Mit kooperativen Mietern kann das ein schnelles und konfliktarmes Verkaufsmodell sein.

Nachteile: Mieter haben meist begrenzte Finanzierungsmöglichkeiten und drücken den Preis stärker als externe Investoren. Wenn mehrere Mieter zusammen kaufen wollen, entsteht oft eine Mini-Eigentümergemeinschaft mit eigenen Konflikten. Vor jeder Mieter-Verhandlung sollten die anderen Optionen klar bewertet sein — sonst landet man im günstigsten Mieter-Angebot, obwohl der Markt mehr hergegeben hätte.

Wie FABONO Sie begleitet

Beim Verkauf eines geerbten Mehrfamilienhauses koordinieren wir, was Erben in der Regel zum ersten und einzigen Mal in ihrem Leben tun — und was hochkomplex ist, wenn man es nicht regelmäßig macht. Konkret: Wir ermitteln den marktrealistischen Wert nach Ertragswertverfahren — inklusive Analyse von Mietpotenzial, Sanierungsbedarf und der für Ihren Standort und Ihre Objektgröße realistischen Multiplikatoren. Wir beschaffen alle Verkaufsunterlagen aus Grundbuch, Bauamt und Verwaltung. Wir entwickeln eine zielgruppen-spezifische Vermarktungsstrategie — Kapitalanleger versus Aufteiler — und führen die Verkaufsverhandlungen.

Für steuerliche Fragen — insbesondere bei Bewertung im Erbschaftsteuer-Verfahren und der hessischen Praxis — vermitteln wir Steuerberater. Für mietrechtliche Detailfragen (Eigenbedarf, Vorkaufsrecht der Mieter, Sonderkündigungsrechte nach Aufteilung) Mietrechtsanwälte aus dem Rhein-Main-Gebiet.

HÄUFIGE FRAGEN

Lohnt es sich, das geerbte MFH selbst zu vermieten, statt zu verkaufen?

Das hängt von Ihrer persönlichen Situation ab — Lebensplanung, finanzielle Aufstellung, Zeitkapazität für Hausverwaltung. Was häufig unterschätzt wird: Ein MFH zu halten heißt aktiv zu managen — Hausgeld, Heizungswartung, Mieterkommunikation, Sanierungsplanung, Steuererklärungen für die Mieteinnahmen. Wer das nicht selbst leisten kann, braucht eine externe Verwaltung, die ca. 3–5 % der Mieteinnahmen kostet. Bei kleinen MFH (3–4 Wohneinheiten) lohnt die Eigenverwaltung nur, wenn man sich auf längere Sicht mit Mietrecht auseinandersetzen will.

Was, wenn die Erbengemeinschaft sich nicht einig ist über den Verkauf?

Bei MFH werden Konflikte in der Erbengemeinschaft besonders schmerzhaft — alle Erben müssen einem Verkauf zustimmen, sonst geht gar nichts. Mögliche Wege: Auszahlung einzelner Miterben durch andere, ggf. der weiteren Versteigerung als letztes Mittel, oder die formale Begleitung durch einen Mediator. Bei großen Werten und festgefahrenen Konflikten ist oft die anwaltliche Begleitung mehrerer Erbrechtsspezialisten der einzige Weg.

Ist ein Verkauf an Mieter steuerlich anders zu behandeln als an Externe?

Steuerlich sind beide Verkäufe identisch zu behandeln — Verkaufsgewinn wird (ggf. nach Spekulationsfrist) versteuert, Grunderwerbsteuer fällt für den Käufer an. Was sich unterscheiden kann: Bei Verkauf einzelner Wohnungen an einzelne Mieter im Rahmen einer Aufteilung können sich die Steuerwirkungen über mehrere Veranlagungszeiträume verteilen — das ist für die Liquiditätsplanung relevant, sollte aber mit einem Steuerberater geplant werden.

Wie lange dauert der Verkauf eines MFH typischerweise?

Von der Erbeneinigung bis zum unterschriebenen Notarvertrag: realistisch sechs bis zwölf Monate — deutlich länger als bei einer ETW oder einem EFH. Gründe: MFH-Käufer prüfen intensiver (Due Diligence, Sanierungsbewertung), Banken finanzieren längere Prüfzeiten ein, und das Vermarktungsspektrum ist enger (weniger Käufer pro Größenklasse). Vom Notartermin bis zum Geldeingang weitere zwei bis vier Monate.

Können Mieter den Verkauf verhindern?

Nein, einen Verkauf des MFH können Mieter nicht verhindern — der Eigentümer ist im Verkauf frei. Was Mieter aber haben: Den Bestandsschutz ihres Mietvertrags. Der neue Eigentümer tritt vollständig in die bestehenden Mietverhältnisse ein (§ 566 BGB), kann nicht ohne weiteres kündigen und ist an alle vertraglichen Bedingungen gebunden. Erst bei einer späteren Aufteilung in Eigentumswohnungen entstehen mietrechtliche Sonderrechte für Mieter — etwa das Vorkaufsrecht nach § 577 BGB.

Welche Fehler beim Verkauf geerbter Mehrfamilienhäuser am häufigsten teuer zu stehen kommen, zeigen unsere Erbimmobilien-Fallbeispiele.

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