DATEN-REPORT · RHEIN-MAIN

Die Erbschaftswelle im Rhein-Main-Gebiet —
wie viel Immobilienvermögen die Generation wechselt.

Seit Jahren ist von der „Erbschaftswelle“ die Rede: Die geburtenstarken Nachkriegsjahrgänge geben ihr über Jahrzehnte aufgebautes Vermögen an die nächste Generation weiter — und ein großer Teil davon steckt in Immobilien. Wir tragen zusammen, was daran belegbar ist, und übersetzen die bundesweiten Studien in den regionalen Blick: Was bedeutet die Welle konkret für Menschen, die im Rhein-Main-Gebiet ein Haus oder eine Wohnung erben?

Stand: Juli 2026. Datengrundlage: Erbschaftsstudien des Deutschen Instituts für Altersvorsorge (DIA/empirica) sowie amtliche Bevölkerungs- und Wohnstatistik (Statistisches Bundesamt, statistische Landesämter Hessen und Rheinland-Pfalz, Zensus 2022). Quellen am Ende der Seite.

Die große Zahl:
Deutschland vererbt Rekordvermögen.

Belastbare amtliche Statistiken darüber, wie viel insgesamt jährlich vererbt wird, gibt es nicht — die amtliche Erbschaftsteuerstatistik erfasst nur die steuerpflichtigen Fälle. Die genaueste Annäherung liefern die Erbschaftsstudien des Deutschen Instituts für Altersvorsorge, erstellt vom Forschungsinstitut empirica. Deren Analyse beziffert die Erbmasse allein im Zeitraum 2015 bis 2024 auf rund 3,1 Billionen Euro — so viel wie in keinem vergleichbaren Zeitraum zuvor.

Für uns entscheidend ist der Immobilienanteil: Schätzungen zufolge enthält etwa jede zweite Erbschaft eine Immobilie — bundesweit rund 400.000 Immobilien-Erbfälle pro Jahr mit einem Gesamtwert um 67 Milliarden Euro, im Schnitt also grob 170.000 Euro je geerbtem Objekt. Der Anteil der Erbschaften mit Immobilie ist über die Jahre spürbar gestiegen. Die geerbte Immobilie ist damit kein Sonderfall, sondern der Regelfall der Vermögensweitergabe.

Warum die Welle das Rhein-Main-Gebiet
besonders trifft.

STERBEFÄLLE 2024

122.700
Hessen & RLP.

In Hessen wurden 2024 rund 71.500, in Rheinland-Pfalz rund 51.200 Sterbefälle registriert. Jeder dieser Fälle kann ein Erbfall sein — und in einem großen Teil davon gehört eine Immobilie zum Nachlass.

WOHNEIGENTUM RLP

51,3 %
zweithöchste Quote.

Rheinland-Pfalz hat nach dem Saarland die höchste Wohneigentumsquote aller Bundesländer (Zensus 2022). Wo mehr Menschen im Eigentum wohnen, wird häufiger eine Immobilie vererbt — das Mainzer Umland ist klassisches Erbimmobilien-Land.

IMMOBILIEN-ERBFÄLLE

~400.000
pro Jahr bundesweit.

Rund 67 Milliarden Euro Immobilienvermögen wechseln jährlich durch Erbschaft den Eigentümer. Getrieben wird das von der Alterung: Allein in Rheinland-Pfalz stieg die Zahl der über 85-Jährigen seit 2011 von rund 100.000 auf rund 147.000.

Das Rhein-Main-Gebiet ist dabei in sich gespalten: Während das Mainzer und Wiesbadener Umland sowie Rheinhessen hohe Eigentumsquoten aufweisen und viele Familienimmobilien in die nächste Generation übergehen, ist Frankfurt mit rund 20 Prozent Eigentumsquote eine ausgesprochene Mieterstadt — dort sind Erbimmobilien seltener, aber im Wert oft überdurchschnittlich hoch. Beides führt zu Erbfällen mit erheblichem Immobilienbezug, nur aus unterschiedlicher Richtung.

Was das für Erben
im Rhein-Main-Gebiet bedeutet.

Aus den Zahlen und unserer täglichen Begleitung ergeben sich drei Muster:

Die Immobilie ist meist der größte Posten im Nachlass. Anders als bei reinen Gelderbschaften steht bei einer geerbten Immobilie sofort eine Grundsatzentscheidung an — verkaufen, vermieten oder selbst nutzen. Diese Entscheidung fällt unter Zeitdruck, weil Fristen und laufende Kosten nicht warten.

Ein Haus, mehrere Erben — die Erbengemeinschaft ist die Regel. Wenn Geschwister gemeinsam das Elternhaus erben, entsteht eine Erbengemeinschaft, in der alle zusammen entscheiden müssen. Genau hier entstehen die häufigsten und teuersten Konflikte. Frühe, sachliche Struktur hilft, sie zu vermeiden.

Die Welle trifft auf hohe Rhein-Main-Werte. Weil die Immobilienwerte in Wiesbaden, Frankfurt und Mainz hoch sind, geraten auch „normale“ Erbfälle schneller in die Nähe der Erbschaftsteuer-Freibeträge — und die laufende Grundsteuer beginnt sofort. Die Zahlen dazu haben wir gesondert aufbereitet: im Erbimmobilien-Report zur Erbschaftsteuer und im Report zur Grundsteuer für geerbte Immobilien.

Einordnung:
Die Welle hat ihren Höhepunkt noch vor sich.

Die Studienautoren mahnen zur Nüchternheit: Erben bedeutet keine neue Wertschöpfung, sondern die Umverteilung bestehenden Vermögens zwischen den Generationen — und dieses Vermögen ist sehr ungleich verteilt. Für die Praxis im Rhein-Main-Gebiet bleibt der Befund dennoch eindeutig: Mit der weiter alternden Eigentümergeneration werden Erbfälle mit Immobilienbezug in den kommenden Jahren häufiger und wertvoller. Die Fragen nach Bewertung, Steuer, Erbengemeinschaft und Verkauf werden damit für immer mehr Familien zum Thema. Wir begleiten Erben durch genau diese Fragen und vermitteln an Fachanwälte und Steuerberater, wo eine verbindliche Beratung nötig ist.

Dieser Report ist Teil unserer Erbimmobilien-Zahlen für das Rhein-Main-Gebiet — alle Datenreports im Überblick.

Quellen

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